„Kreativ gegen Ausgrenzung“ – Designarbeiten des FOS Lehrwerkstudios

Das Fachpraktikum in der Ausbildungsrichtung Gestaltung findet ein halbes Schuljahr im schuleigenen Lehrwerkstudio statt. Auf dem Ausbildungsplan stehen an unserer Schule u. a. grafische Grundlagen, manuelle Drucktechniken, dreidimensionales – und digitales Gestalten. Am Ende der Praktikumszeit erstellen die Praktikanten ein Designprojekt als Abschlussarbeit. Die Aufgabenstellung dafür lautete im ersten Schulhalbjahr 2015/2016 „Kreativ gegen Ausgrenzung“ – nachdem sich unsere Schule erfolgreich um die Teilnahme an der Jugendinitiative Schule ohne Rassismus beworben hat.

Zu Beginn der Projektwochen haben wir den Referenten Matthias Weinzierl aus München eingeladen. Er ist freier Grafik-Designer und einer der Geschäftsführer des Bayerischen Flüchtlingsrates. In einem Vortrag vor etwa 70 Schülern präsentierte Weinzierl diverse Kommunikationsansätze und Funktionsweisen von politischer Kampagnen-Arbeit. In einem anschließenden Workshop visualisierten die Nachwuchsgestalter unter Weinzierls Regie erste eigene Motive zum Thema „Niemand ist ein Flüchtling“. Mit den Erkenntnissen aus dieser Einführungsveranstaltung gingen die Schüler dazu über, mindestens drei eigene Ideen zum Thema „Kreativ gegen Ausgrenzung“ in verschiedenen Gestaltungsdisziplinen zu entwickeln. In welcher Disziplin sie Ihr Designprojekt verwirklichten, stand den Praktikanten frei. Möglich war eine Realisierung in den Bereichen Grafikdesign, Illustration, Objektdesign, Architektur, Modedesign, Fotografie oder Film.

Am Anfang stand die Frage „Wer wird von wem ausgegrenzt?“. Das Ergebnis einer Diskussionsrunde unter den jungen Gestaltern war, dass Menschen aufgrund von Faktoren wie z. B. Hautfarbe, sexueller Orientierung, Behinderung, Armut oder Konfession ausgegrenzt werden. Die Praktikanten erarbeiteten sich im Team eine weitere Fragestellung, die dabei hilfreich war, kreative Ansätze gegen Ausgrenzung zu entwickeln: „Was ist normal?“. Es kristallisierte sich heraus, dass vor allem Menschen diskriminiert werden, die sich außerhalb der gesellschaftlichen Mitte befinden.

Ein sensibler Umgang mit der Thematik war gefragt, damit sich die Schüler nicht selber in Vorurteilen und Klischees zu verstrickten. Von Matthias Weinzierls Expertenvortrag über Kampagnen-Arbeit wussten die Schüler, dass sogenannte „Betroffenheits-Kampagnen“ (z. B. eine stereotype Darstellung von einem traurig blickenden Kind) weit verbreitet sind aber nicht besonders gut funktionieren. Wer ein Statement gegen Ausgrenzung setzen möchte, ist gut beraten, die Kommunikationsstrategien „Respekt“, „Humor“ oder „Irritation“ zu verwenden.

Während der Optimierungsphase waren nicht immer die ersten Ideen die besten – oft reiften die Ansätze durch die Methoden systematische Variation und Weiterentwicklung. Dadurch lernten die Schüler im Team Probleme zu erkennen und Lösungsansätze zu entwickeln. Das Endresultat sah in vielen Fällen anders aus, als ursprünglich angedacht. Am Ende überzeugten Junggestalter mit ihren Ideen und Kreationen.